Ölziehen – den Körper auf natürliche Art entgiften

Das Ölziehen kommt ursprünglich aus der ayurvedischen Lehre und soll den Körper unkompliziert und natürlich entgiften. Es soll sich in zahlreichen Bereichen positiv auf die Gesundheit auswirken. Dazu gehört vor allem die Mund- und Zahngesundheit, denn durch regelmäßiges Ölziehen sollen sich die Zähne festigen, Mundgeruch und Zahnfleischbluten verringern, ebenso wie Karies und Zahnbelag. Angeblich lässt es auch die Zähne wieder weißer erstrahlen. Nicht nur aus diesem Bereich gibt es positive Berichte über das Ölziehen und dessen Wirkung, sondern auch aus vielen anderen.

Traditionell entgiften mit Ölziehen

Bereits seit Jahrtausenden setzt die ayurvedische Lehre auf Ölanwendungen für den menschlichen Körper, um positive Wirkungen zu erzielen. Dazu gehört neben dem Ölziehen auch als weitere Methode der Stirnguss, die Tiefenmassage oder die Ölmassage. Alle Behandlungen sollen in ihrer Wirkung der Gesundheit dienen und den Körper entgiften und heilen. Bereits in der „Charaka Samhita“, dem ersten Ayurveda Buch, wird das Ölziehen nicht nur erklärt, sondern auch empfohlen. Das 2.000 Jahre alte Schriftstück empfiehlt das Ölziehen bei mehr als 30 unterschiedlichen Krankheiten, unter anderem beispielsweise bei Migräne, Asthma, Diabetes und Hormonstörungen.

Gesünderes Zahnfleisch und stärkere Zähne

Zur Stärkung der Zähne und des Zahnfleisches, sowie des Kiefers setzt die indische Volksheilkunde das Ölziehen ein. Laut dieser soll das Ziehen von Öl im Mund, was übrigens so ungefähr 20 Minuten dauert, aber auch der Vorbeugung von Karies dienen und Mundgeruch bekämpfen, ebenso wie rissige Lippen und Mundtrockenheit.

Im Indian Journal of Dental Research wurde 2011 ein Artikel veröffentlicht, indem indische Wissenschaftler ihre Studienergebnisse über die Auswirkungen des Ölziehens preisgaben. Laut diesen findet während des Ölziehens im Mund eine Verseifung und Emulgierung des Öls statt. Dieser Mechanismus soll dazu beitragen, dass es desinfizierend und reinigend wirkt.

Außerdem betrieben dieselben Wissenschaftler eine weitere Studie mit zehn Teilnehmern. Anhand dieser wurde 2011 ebenfalls festgestellt, dass Ölziehen Mundgeruch verringern kann, ebenso wie die Anwendung von Chlorhexidin. Bedingt wird dies dadurch, dass sich die Bakterien, welche den Mundgeruch verursachen, durch das Ziehen von Öl im Mund entschärfen. Dies soll beim Ölziehen auf natürliche Weise geschehen und nicht wie bei Chlorhexidin auf chemische mit möglichen Nebenwirkungen.

Wie wirkt es?

Beim Ölziehen sollen sich die schädlichen Bakterien lösen, die sich in der Mundhöhle gebildet haben. Dadurch lässt sich nicht nur gegebenenfalls Karies bekämpfen, sondern auch der Zahnbelag wahrscheinlich reduzieren. Dies bestätigen zumindest die Aussagen von verschiedenen Menschen im Internet, beispielsweise in Blog- oder Forenkommentaren.
Im Grunde genommen gilt das Ölziehen als natürliche Methode, um dem Zahnfleisch und der Mundhöhle giftige Substanzen und Säuren zu entziehen. Des Weiteren massiert das Ziehen des Öls im Mundraum das Zahnfleisch und soll so für eine bessere Durchblutung sorgen, welche sich positiv auf die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch auswirkt. Grundlage dafür soll die höhere Durchblutung sein, welche die Kräfte zur Selbstheilung unterstützen kann.
Laut der ayurvedischen Lehre findet die Entgiftung durch das Ölziehen allerdings nicht nur den Mundbereich statt, sondern wirkt sich auch positiv auf den gesamten Organismus aus. Die antibakterielle und entgiftende Wirkung, welche dem Ölziehen nachgesagt wird, soll entlasten und positiv auf den ganzen Körper wirken.

Gegen welche Beschwerden kann es helfen?

Nach diversen Erfahrungsberichten, auch aus dem Ayurveda Bereich, kann sich das Ölziehen nicht nur auf den Mund- und Zahnbereich positiv auswirken, sondern auch noch auf andere Bereiche. Hier einmal eine kleine Auflistung, die allerdings keinesfalls als vollständig und medizinisch belegt zu betrachten ist:

    • Parodontitis
    • Entzündungen vom Zahnfleisch
    • Mundgeruch
    • Zahnschmerzen
    • rissige Lippen
    • Mundtrockenheit
    • Kopfschmerzen
    • Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre
    • Erkrankungen vom Magen-Darm-Trakt
    • Bronchitis
    • grippale Infekte
    • Kopfschmerzen
    • Herzerkrankungen
    • Erkrankungen der Leber und Nieren
    • Erkrankungen des Blutes
    • Chronische Schlaflosigkeit
    • Thrombose
    • Schuppenflechte, Neurodermitis, Akne und Ekzeme
    • Frauenleiden

Wie funktioniert es?

Die Meinungen, wann das Ölziehen erfolgen sollte, gehen auseinander. Einigen Zufolge ist es gleich nach dem Aufstehen am sinnvollsten, andere hingegen empfehlen zuerst eine Reinigung der Zunge. Essen und Trinken vorher ist aber absolut tabu, dahingehend sind alle sich einig. Nicht einmal Wasser sollte der Mensch vor dem Ölziehen trinken, weil es die Wirkung der Methode verringern und die Entgiftung nicht optimal stattfinden kann. Um Missverständnissen vorzubeugen, fassen wir die Zungenreinigung in unserer Schritt für Schritt Anleitung mit auf.

Reinigung der Zunge

Benötigt wird für die Zungenreinigung ein ayurvedischer Zungenschaber. Dieser entfernt im Rahmen der Zungenreinigung die Beläge auf der Zunge. Dadurch wird sie nicht nur sauberer, sondern erhält auch ihre rosa Farbe wieder mehr zurück. Als Folge einer regelmäßigen Zungenreinigung können sich die Geschmackswahrnehmungen wieder verbessern und Mundgeruch sich verringern. Östliche Heilweisen und die Ayurveda Lehre empfehlen bei einer traditionellen Zungenreinigung darauf zu achten, gerade die Bereiche der Zunge zu reinigen, die zu den Reflexzonen gehören. Ähnlich wie die Fußreflexzonen, sind diese bestimmten Organen zugeordnet. Nur so kann sich die Wirkung dieser Methode optimal entfalten.

Aufnahme des Öls in die Mundhöhle

Am besten eignen sich Bio Öle für das Ölziehen. Ideal sind Bio-Kokosöl, Bio-Sesamöl oder Bio-Sonnenblumenöl. Davon gilt es einen Esslöffel in den Mund zu nehmen. Wichtig ist dabei laut ayurvedischen Lehren ein nüchterner Magen und der Start direkt nach dem Aufstehen. Selbst vom Wassertrinken vorab wird abgeraten.

Wer eine Zahnprothese trägt, sollte diese während des Ölziehens unbedingt herausnehmen, weil ansonsten laut einigen Erfahrungsberichten keine ganzheitliche Reinigung erfolgen kann. Bei einigen Problemen, wie Pilzbefall, Parodontitis oder anderen Infektionen im Mund-/Zungenbereich soll ein zusätzlicher Tropfen Grapefruitkernextrakt im Öl schnell Linderung bringen und die Entgiftung schneller wirken lassen.

Ziehen, Spülen, Schlürfen, Saugen

Da Ölziehen sollte laut diversen Berichten idealerweise über einen Zeitraum von 15 bis 20 Minuten erfolgen. Während dieser Zeit gilt es, das Öl im Mund hin und her zu spülen und es immer in Bewegung zu halten. Ideal ist ein saugendes und schlürfendes Spülen durch die Zähne. Kurze Pausen, bei denen sich das Öl im Mundraum verteilen kann, sind aber durchaus sinnvoll.

Gurgeln ist beim Ölziehen nicht erforderlich und auch nicht erwünscht. Die ayurvedischen Lehren gehen nämlich davon aus, dass das Öl alle Giftstoffe und Bakterien, die im Mundraum vorhanden sind, aufnimmt. Deshalb ist es wichtig dieses auch nicht zu schlucken, weil ansonsten die ganze Prozedur umsonst gewesen wäre und der Körper die Gifte doch aufnimmt.

Gerade am Anfang kann es wohl passieren, dass sich ein Muskelkrampf im Kiefer oder in den Wangen einstellt. Er spricht dafür, dass das Ölziehen mit zu viel Anstrengung betrieben wird. Das Öl sollte beim Ziehen immer leicht durch den Mund gleiten ohne große Kraftanstrengung. Ideal ist es sich dabei zu entspannen, um eben diesen Krämpfen im Gesichtsbereich vorzubeugen.

Anfänglich kann es schwierig sein, die komplette Masse über den empfohlenen Zeitraum im Mund zu belassen. Nach einiger Zeit verwandelt sich das gelbliche Öl nämlich in eine weißliche Flüssigkeit, wenn es sich mit der Spucke vermengt. Wer es gar nicht mehr aushält, kann das Öl ausspucken und mit einem neuen Löffel starten.

Ausspucken des Öls

Hat sich das Öl komplett weiß verfärbt und fühlt sich um einiges dünnflüssiger an, als am Anfang der Anwendung, so ist es den Erfahrungsberichten zufolge an der Zeit es auszuspucken. Idealerweise in ein Papiertuch und nicht in das Waschbecken. So gelangen die beim Ölziehen ausgeschiedenen Giftstoffe nicht in den Wasserkreislauf. Im Anschluss wird empfohlen sich den Mund mit warmem Wasser mehrmals auszuspülen und die Flüssigkeit zwischendurch auszuspucken.

Putzen der Zähne

Das Ölziehen ersetzt in keinem Fall das Zähneputzen, auch wenn die Zähne durch den natürlichen Vorgang schon eine Vorreinigung erfahren. Ideal scheint hier, laut einigen Erfahrungsberichten eine ayurvedische Zahncreme zu sein. Alternativ eignet sich auch eine basische Zahncreme. Wer unter Pilzinfektionen im Mund oder grippalen Infekten leidet, sollte seine Zahnbürste desinfizieren. Auf natürlichem Wege kann dies mit Grapefruitkernextrakt funktionieren. Dazu einfach ein bis drei Tropfen auf die Zahnbürste geben. Damit wird die Gefahr einer Selbstansteckung reduziert.

Optimierung des pH-Wertes im Mundraum

Das Ölziehen kann den pH-Wert im Mund etwas aus dem Gleichgewicht bringen, so wird zumindest berichtet. Gerade wenn im Mundbereich der Säure-Basen-Haushalt durch Erkrankungen wie zum Beispiel Karies, Parodontitis oder Ähnliches gestört ist, gilt es diesen zu regulieren. Dafür eignet sich wohl Sango Meeres Koralle am besten. Etwa eine Messerspitze davon pur in den Mund nehmen und sich dort auflösen lassen. Dadurch soll sich der pH-Wert im Mundraum normalisieren. Wer auf die Anwendung des Sango Meeres Korallenpulvers verzichten möchte, braucht nicht zu befürchten, dass das Ölziehen sinnlos war. Denn laut den gängigen Informationen besteht die antibakterielle und entgiftende Wirkung der traditionellen Methode auch dann ohne Probleme weiter.

Einnahme von Medikamenten

Bislang liegen noch keine Erfahrungsberichte vor, dass sich das Ölziehen negativ auf eine morgendliche Medikamenteneinnahme auswirken kann. Die Lehren empfehlen, erst das Ölziehen durchzuführen, dann die Zähne gewohnt zu putzen und erst danach die Medikamente einzunehmen, sofern dies auf nüchternen Magen erfolgen soll. Alternativ ist natürlich ein Frühstück vor der Einnahme. Danach wird empfohlen, die Zähne mit Zahnseide zu reinigen und anschließend nochmals zu putzen.

Was ist Ölziehen eigentlich genau?

Das Ölziehen stammt aus der ayurvedischen Naturheilkunde und ist in Indien und Russland schon seit langem als Behandlungsmethode geläufig. In Deutschland etabliert es sich erst seit einigen Jahren. Bekannt wurde das Ölziehen hauptsächlich durch Dr. Karach, einen russischen Arzt, der es im Jahre 1993 auf einem Ärztekongress als bewährte Heilmethode vorstellte. Laut den damaligen Aussagen des Arztes hilft das Ölziehen bei vielen Erkrankungen. So könne es Herzkrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden mildern und hormonelle Umstellungen leichter machen. Grund dafür sind die Krankheitskeime, Giftstoffe und Bakterien im Mundraum, welche sich besonders an den Zahnherden ansammeln und durch das Ölziehen an das Öl gebunden und so aus dem Mund verschwinden.
Der Mundraum- und Zahnpflege jedoch dient das Ziehen von Öl auch, aber nicht nur. Es soll sich positiv auf jeden Bereich des Körpers auswirken. Dabei dient es angeblich nicht nur der Behandlung von Beschwerden, sondern ebenso der Vorbeugung. Dazu zählen unter anderem:

      • Gesünderes Zahnfleisch und gesündere Zähne
      • Mehr Leistung und Energie
      • Linderung von Allergien
      • Regelmäßigerer Menstruationszyklus
      • Weniger PMS-Beschwerden
      • Freie Nasennebenhöhlen
      • Weißere Zähne
      • Besserer und tieferer Schlaf
      • Verbesserter Lymphfluss

Wissenschaftlich ist das Ölziehen noch nicht wirklich erforscht, weshalb es immer wieder Kritiker gibt, in deren Augen das Ziehen von Öl keine Gesundheitsanwendung ist. Trotzdem gibt es genügend positive Berichte über das Ölziehen, dass es für viele eine gute Möglichkeit ist, um auf natürlichem Wege etwas für ihre Gesundheit zu tun und das innerhalb von wenigen Minuten. Es ist wohl auf jeden Fall schonender als die Verwendung von Zahncremes mit Bleichmittel oder Mundwasser mit chemischen Inhaltsstoffen. Viele behaupten allerdings, dass Ölziehen nur einen Placebo Effekt habe.

Fragen die häufig aufkommen

Amalgam-Füllungen – Ölziehen trotzdem möglich?

Das Quecksilber welches in Amalgamfüllungen enthalten ist, kann sich durch saure und heiße Flüssigkeiten lösen. Allerdings treten auch beim Kauen von Kaugummi kleine Mengen aus. Trotzdem ist es nicht ratsam, das Ölziehen durchzuführen, wenn Füllungen aus Amalgam in den Zähnen vorhanden sind. Es kann nämlich durchaus sein, dass das Öl Quecksilber lösen kann.

Können Kinder Ölziehen?

Für Kinder unter sechs Jahren ist das Ölziehen auf keinen Fall geeignet, denn sie verstehen noch nicht, dass sie das Öl nicht schlucken dürfen! Danach kommt es häufig auf das Verständnis des Kindes an, ab wann das Ziehen von Öl möglich ist. Kinder nehmen übrigens nur einen halben oder einen Teelöffel Sonnenblumenöl in den Mund.

Nur einmal am Tag?

Wer sich einmal an das Ölziehen gewöhnt hat, stellt sich häufig die Frage, ob es nur einmal am Tag Sinn macht. Generell ist es durchaus möglich mehrmals am Tag Öl zu ziehen. Es sollte aber nie nach den Mahlzeiten erfolgen und wenn es geht auch nur mit einem leeren Magen.

Medikamenteneinnahme am Morgen

Wer morgens Medikamente auf nüchternen Magen einnehmen soll, muss deshalb nicht auf das Ölziehen verzichten. Es sollte allerdings vorher erfolgen. Danach gilt es unbedingt die Zähne zu putzen, bevor die Medikamenteneinnahme erfolgt.

Welches Öl ist geeignet?

Bio-Qualität ist auf jeden Fall die bessere Wahl, wenn es um das Ölziehen geht. Als besonders gut geeignet haben sich natives Kokosöl, Sonnenblumenöl und kalt gepresstes Sesamöl erwiesen. Fast alle Studien zum Thema Ölziehen wurden mit diesen Ölen durchgeführt. Sie besitzen alle antibakterielle Wirkungen und zudem wirken Kokos- und Sesamöl noch entzündungshemmend. Zudem besitzt Kokosöl antimikrobielle Eigenschaften, welche es für das Ölziehen sehr interessant machen. Es kann sich nämlich, sofern einigen Berichten Glauben geschenkt wird, positiv auf die Zahngesundheit und die Mundflora auswirken.

Die hier gemachten Informationen ersetzen nicht die Betreuung, Beratung oder Versorgung durch Ärzte. Dieses Portal stellt die Informationen unverbindlich für interessierte bereit und beruht dem aktuellen Wissensstand. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit wird jede Haftung ausgeschlossen. Bei akuten Symptomen informieren sie ihren Hausarzt oder dessen Vertreter. In lebensbedrohlichen Situationen verständigen sie unverzüglich den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112.